Bremer Bürgerinitiativen schließen sich zusammen – Kritik an Stadtentwicklung ohne Bürgerbeteiligung

Am 2. und 9. November 2021 haben sich zwölf Bremer Bürgerinitiativen zusammengeschlossen, nämlich „Platanen am Deich“, „Kein Hochhaus im Viertel“, „Bremer Bahnhofsplatz Initiative“, „Oslebshausen und Umzu“, „Erhalt der nördlichen Lesumwiesen“, „Mobilitätsfrieden – Bürger Findorff“, „Klimawald Gete-Vahr“ „Mobilitätsfrieden – Östliche Vorstadt“, „Pro Unibad“, „Grünes St. Magnus“, „BürgerInneninitiative PROtest Kornstraße“ und „Blumenstraße“. Sie wollen Probleme, die alle betreffen, insbesondere bei der Stadtentwicklung und der Bekämpfung von Umweltsünden künftig gemeinsam angehen. Unterstützt wird der Zusammenschluss vom Bürgerverein Oberneuland. Ihre Kritik an der Bremer Regierung haben sie in einer Pressemitteilung und einer Grundsatzerklärung zum Ausdruck gebracht. Geplant ist die Verteilung von Flyern, um mehr Bürger zum Protest gegen eine – oft investorengesteuerte -Stadtplanung von oben zu motivieren. Der Weser-Kurier berichtete in seiner Ausgabe vom 11. November unter dem Titel „Bürgerinitiativen gehen zusammen“ darüber.

„Jeder Gebäudeabriss ist eine wahnsinnige CO2-Verschwendung“

Die Architektin Luisa Ropelato ist Mitgründerin der „Architects for Future„. Sie fordern eine Revolution im Bau – damit wir klimaschonender und nachhaltiger wohnen können. Bremen 2 berichtete am 11. November darüber. Die BI Pro Unibad sucht den Kontakt zu den A4F, um hier neue Argumentationshilfen gegen den Abriss von Unibad und umliegenden Sportstätten zu erhalten, zumal es sich hier um preisgekrönte Architektur handelt!

Neubau Horner Bad schreitet voran

BI-Mitglied und Architekt Eberhard Dengler bemerkte während der Bauarbeiten, dass sich der Neubau des Horner Bades äußerlich kaum von einer Fischstäbchenfabrik unterscheidet. Damit das Äußere nicht so trostlos wirkt, wurde jetzt der Künstler Constantin Jaxy beauftragt, die Fassade des Neubaus des Horner Bades mit seinem Kunstwerk „Flow“ zu verschönern, der Stadtteilkurier berichtete am 27.10.21 darüber.

Corona hat Schwimmvereinen zugesetzt – Unibad-Ausfall wäre der Supergau

Der Weser-Kurier berichtete am 20. Oktober über die schwierige Situation der Schwimmvereine in Bremen, die sehr auf die Schwimmflächen des Unibades angewiesen sind:

„Der Waller SV „Weser“ hat eine lange Durststrecke hinter sich: Über sechs Monate durften die Schwimmvereine nicht öffnen. Mit dem Westbad-Neubau kommt ab Mitte 2022 die nächste schwierige Phase. Das Westbad wird voraussichtlich ab Mitte 2022 abgerissen und bekommt anschließend einen Neubau. Bremens Schwimmvereine haben schwierige Zeiten hinter sich. Mehr als ein halbes Jahr mussten sie wegen Corona pausieren und konnten in dieser Zeit unter anderem auch keine neuen Schwimmanfänger aufnehmen. Mitgliederverluste um die 30 Prozent waren die Folge, wie kürzlich Landesschwimmverband-Präsident Stephan Oldag dem Fachausschuss Kultur, Sport und Migration des Waller Beirats schilderte. Betroffen ist auch der Waller Traditionsverein S.V. „Weser“ Bremen von 1885 beim Westbad. „Wir fühlen uns wie ein angeschlagener Boxer und fragen uns: Wie viele Schläge noch bis zum K.O.?“, sagt dessen Vorsitzender Kai Melzer. Vom ersten Lockdown habe der Verein sich noch gut erholen können: „Doch dann kam der nächste Lockdown, der bis zum Mai alles zum Erliegen gebracht hat.“ Mehr als 80 Mitglieder habe der Verein unterm Strich verloren, so Melzer: „Anfang des Jahres sind wir unter die 300-Mitglieder-Marke gerutscht.“ Immerhin: Seit Juni darf wieder geschwommen werden; beim SV Weser stehen aktuell mehr als 130 Kinder auf Wartelisten für Schwimmkurse. Kürzlich wurden beim Landesschwimmverband die Wasserflächen neu verteilt. Eine ziemliche Prozedur, wie Oldag sagt: „Denn die Vereine arbeiten mit ehrenamtlichen Übungsleitern, die nicht jederzeit zur Verfügung stehen.“ Da Bremens Schwimmvereine bis auf einen keine eigenen Bäder haben, sind sie auf die Wasserflächen der Bremer Bädergesellschaft angewiesen. Der SV Weser kann aktuell mittwochs und freitags jeweils von 16.30 bis 21 Uhr das Westbad nutzen, worüber Melzer sehr froh ist. „Wir haben extrem darum ringen müssen, dass der SV Weser dort an zwei Nachmittagen Schwimmausbildung machen kann“, sagt Oldag: „Das ist nicht schön, denn wir haben mit dem Verein einen ganz wichtigen Akteur, wenn es darum geht, Kindern im Bremer Westen das Schwimmen beizubringen.“ Der bevorstehende Westbad-Neubau bereitet Oldag gemischte Gefühle. Denn wenn das Bad voraussichtlich ab Mitte nächsten Jahres abgerissen wird, muss der SV Weser für mindestens drei Jahre ins Unibad ausweichen. Kilometermäßig sei das zwar gar nicht so weit, so der Landesschwimmverband-Präsident: „Es ist aber für viele Kinder trotzdem schwierig, dorthin zu kommen.“ Melzer bestätigt: Einerseits hätten nicht alle Eltern in Walle und Gröpelingen Autos, mit denen sie ihre Kinder nach Lehe bringen könnten. Andererseits sei auch die Anbindung in Richtung Universität über den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht so gut wie etwa von Schwachhausen aus mit der Straßenbahnlinie 6. „Ein Shuttle-Bus wäre deshalb ein ganz großer Wunsch von uns!“ Denn als im Juni der Vereinsbetrieb zunächst im Unibad wieder angelaufen war, sei dorthin nur etwa die Hälfte der Kinder mitgekommen.„Wir müssen das Westbad für mindestens drei Jahre verlassen und die Trainingszeiten ins Unibad rüberschieben“, so Melzer. Zeitgleich werden Vereine aus Bremen-Nord ins Unibad ausweichen, da auch im Vegesacker Bad eine Baumaßnahme ansteht. Das heiße vor allem: „Daumen drücken, dass das Unibad hält. Das wäre ansonsten der Supergau, weil das Horner Bad das nicht aufnehmen könnte. Wenn wir das Kursbecken dort nicht nutzen dürften, dann hätten wir gar kein Bad mehr, in dem man Schwimmausbildung machen kann. Das würde uns den Boden unter den Füßen wegreißen.“ „Das Kursbecken im Horner Bad wird den Vereinen nicht zur Verfügung stehen, weil die Politik es versäumt hat, das zur Auflage zu machen“, merkt dazu Oldag an. Bereits heute werde dem Verband signalisiert, dass die Vereine nicht ins Horner Bad hineinkommen werden.Beim SV Weser sorgt noch etwas anderes für Unverständnis: Bei den Bremer Bädern wird offenbar mit dem Gedanken gespielt, während der Bauphase das – von Abriss und Neubau nicht betroffene – Freibad nicht zu öffnen. „Unsere Mitglieder würden sich freuen, wenn sie – und auch die Öffentlichkeit – wenigstens von Juni bis August im Freibad schwimmen könnten“, so Melzer. Dies sei seiner Ansicht nach ohne Weiteres möglich, da man auch vom Vereinsheim aus aufs Freibadgelände gelange.Dies sollte man besprechen, finden auch die Waller Beiratspolitiker. Die Kommunikation zwischen Bädergesellschaft und Verein läuft derzeit aber offenbar alles andere als rund. Informationen zur abschließenden Planung für den Westbad-Neubau habe sein Verein letztendlich über die Presse bekommen, so Melzer: „Vor Corona waren wir eng in die Planungen eingebunden – kennen aber jetzt die Pläne nicht. Da sind wir schon ein bisschen enttäuscht.“

Einführung Sportstudium und Abriss Unibad rücken näher

Der Weser-Kurier berichtete am 17. Oktober 2021, dass an der Wiedereinrichtung des Sport-Studiengangs an der Universität Bremen ab Wintersemester 2023 festgehalten wird. Zu Beginn werden die neuen Sportstudierenden aber noch nicht die Campus-Sportanlagen nutzen können, da deren Modernisierung noch nicht abgeschlossen ist. Im Weser-Kurier heißt es: „Die jetzt vorliegende Expertise kommt zu dem Schluss, dass ein Neubau der Dreifeldhalle billiger wäre als eine Sanierung. 27,6 Millionen Euro würde es demnach kosten, die Halle auf einer benachbarten Fläche im Passivhausstandard neu zu errichten und anschließend den Altbau abzureißen, das marode Unibad und den aus den Siebzigerjahren stammenden Sportturm ebenfalls zu beseitigen und die Außenanlagen auf einen modernen Stand zu bringen.“ Der Verein „Architects For Future“ hat in anderem Zusammenhang aber darauf hingewiesen, dass bisherige Wirtschaftskeitsberechnungen vernachlässigen, dass Neubauten wesentlich co2-intensiver sind als Altbauten, in denen viel „graue Energie“ schlummert. Die BI Pro Unibad versucht hier derzeit einen Kontakt zu der Architekten-Initiative herzustellen.

Große Anfrage der CDU zum Zustand von Uni-Sportstätten inkl. Unibad an die Stadtbürgerschaft

Die große Anfrage der CDU an die Stadtbürgerschaft wurde am 12. Oktober vom Senat beantwortet. Darin wird u. a. beschrieben, wie die Rettung der dringend benötigten, aber wie das Unibad sanierungsbedürften Sporthallen in der Grazer Straße geplant ist. In der Antwort dazu heißt es: „Die weitere Nutzung der Sporthalle an der Grazer Straße ist aus Sicht des Senats zumindest für die kommenden 10 Jahre zwingend notwendig.
Zwischen den Ressorts für Wissenschaft, Bildung und Sport wurde daher folgendes Verfahren zur weiteren Nutzung der Sporthalle an der Grazer Straße vereinbart:
Der TV Eiche Horn e.V. (TVEH) wird die Halle kostenneutral von der Universität Bremen anmieten können, übernimmt jedoch die Betriebs- und Unterhaltskosten. Die Senatorin für Kinder und Bildung wird die Sporthalle, wenn diese wieder nutzbar ist, langfristig für die schulische Nutzung anmieten. Der TVEH hat Sachverständige die Sporthalle prüfen lassen und es wurde festgestellt, dass eine Nutzung für mindestens ca. 10 Jahre noch möglich ist. Voraussetzung ist die Durchführung zwingender Sanierungsarbeiten, insbesondere der Austausch des Hallenbodens ist dabei zu nennen. Zwingend notwendige Sanierungsarbeiten der Halle Grazer Straße werden kurzfristig durch den TVEH veranlasst. Die notwendigen Mittel dafür werden durch die oben genannten Ressorts bereitgestellt. Das Zuwendungsverfahren soll über das Sportressort formal gesteuert werden.“

Könnte eine solche Zusammenarbeit von Vereinen und öffentlicher Hand nicht auch eine Blaupause für Sanierung und Erhalt des Unibades sein?

Keine Schwimmzeiten für normale Bevölkerung im Unibad – Beirat Horn-Lehe setzt sich für Öffnung ein

Für Schimmer im Stadtteil Horn-Lehe und Schwachhausen steht kein Schwimmbad in der Nähe zur Verfügung. Die Geschäftsführerin der Bremer Bäder, Martina Baden, begründet dies damit, dass das Unibad durch Schwimmkurse komplett ausgelastet sei (WK-Bericht vom 31.10.21).

Der Horner Beirat fasste auf seiner Sitzung vom 7. Oktober erneut einen Beschluss mit der Aufforderung an die Bremer Bäder, das Unibad für die Öffentlichkeit zu öffnen. Der im Vorjahr bereits ähnlich gefasste Beiratsbeschluss wurde damals von den Bremer Bädern mit der Begründung abgewiesen, dem stünden Reinigungszeiten entgegen und es stünden keine Zeiten zur Verfügung. Daher wurde der Beiratsbeschluss diesmal dahingehend erweitert, dass die Bremer Bäder dem Beirat den Belegungsplan für das Unibad bekanntgeben sollen, damit diese Aussage überprüft werden kann. Außerdem wurde der Beiratsbeschluss um eine Nachfrage ergänzt, warum bisher Haarföhne und Schließfächer im Unibad nicht benutzbar sind. Immerhin sind die Föhne im Unibad seit den Herbstferien wieder benutzbar – wie in anderen Schwimmbädern.

Der Beiratsbeschluss vom 7.10.21 im Wortlaut:

Beschluss:   

1. Der Beirat Horn-Lehe fordert die Bremer Bäder GmbH auf, im Unibad Möglichkeiten für die Öffentlichkeit – beispielsweise für Frühschwimmer oder eine Schwimmzeit am Wochenende – spätestens nach den Herbstferien anzubieten.

2. Ferner bittet der Beirat um Übermittlung eines Belegungsplans für das Unibad mit Angaben der jeweiligen Nutzer*innengruppen, der Belegungszeiten sowie der Zeiten für die Reinigung(en).

3. Aufgrund persönlicher Erfahrungen von Nutzer*innen bittet der Beirat darzulegen, inwieweit ein Föhn oder ein Schließfach genutzt werden darf oder mit welchen Einschränkungen Besucher*innen zu rechnen haben. (einstimmig)

Über eine Antwort auf den Beschluss ist bisher nichts bekannt. Die BI Pro Unibad wird hierzu nachfragen.

BI-Mitglieder führen Gespräch mit Uni-Kanzlerin

Gespräche von BI-Mitgliedern mit der neuen Uni-Kanzlerin ergaben, dass ihr eine Schließung des Unibades seitens der Wissenschaftsbehörde fest mit der für Frühjahr geplanten 2022 Eröffnung des Horner Bades als Kombibad zugesagt sei. Seitens der Bremer Bäder hieß es bisher, dass das Unibad bis zur Fertigstellung des Westbades in 2024 unterhalten werden soll – offenbar verfolgen die verschiedenen Senatsressorts da keine einheitliche Linie. Da die Uni-Kanzlerin nach eigener Aussage für Gefährdungen durch marode Bausubstanz persönlich haftet, möchte sie die Verantwortung für das Unibad möglist schnell loswerden – einer Trägerschaft für das Unibad in Public-Private-Partnership ähnlich wie bei den Sporthallen in der Grazer Straße – würde sie sich nicht in den Weg stellen. Es ist bisher seitens der Uni auch keine alternative Nutzung des Unibad-Geländes vorgesehen. Bei den Sporthallen in der Grazer Straße wurde eine Vereinbarung zwischen dem Verein TV Eiche Horn und den senatorischen Behörden geschlossen, die eine Instandhaltung sichert und eine Weiternutzung der Hallen erlaubt.

Sportsenatorin stellt sich vor Geschäftsführerin der Bremer Bäder und räumt ein, dass zuwenig in Bäder investiert wurde – Leserbrief von BI Pro Unibad weist auf fehlerhafte Kostenkalkulation des Bremer Bäderkonzepts hin, zwei weitere Leserbriefe kritisieren Stahmann

Als Reaktion auf die Kritik an der Geschäftsführung der Bremer Bäder nicht nur der Opposition, sondern auch aus der SPD, stellt sich die grüne Sportsenatorin Anja Stahmann im Interview mit dem Weser-Kurier am 11.8.21 demonstrativ vor die Leitung der Bremer Bäder. Sie sagt auch: „Bremen hat über einen langen Zeitraum viel zu wenig in die Bäder investiert.“ Dass die Grünen daran eine erhebliche Mitverantwortung tragen, verschweigt Frau Stahmann allerdings: Nach Einschätzung von Experten hat die grüne Finanzsenatorin Karoline Linnert die auferlegte Schuldenbremse deutlich rigider umgesetzt als erforderlich. Die Grünen woll(t)en Verschuldung im Namen der Generationengerechtigkeit um jeden Preis vermeiden – damit hinterlassen sie der nachfolgenden Generation aber ein schweres Erbe: Marode Infrastruktur allerorten und ein riesiger Sanierungsstau.

BI-Mitglied Renate Decke-Cornill verfasste einen Leserbrief zur Kritik an der Geschäftsführerin der Bremen Bäder und zum Interview mit Frau Stahmann: “ Aber auch bei der aktuellen Kritik muss man feststellen: ‚Der Fisch stinkt vom Kopf her‚. Frau Stahmann verkündigt wieder einmal „In die Bäder wurde zu wenig investiert“. Sie habe ein „nicht ausfinanziertes Bäderkonzept“ vorgefunden. Tatsache ist aber, dass das Bäderkonzept auf falschen Zahlen beruhte und die angegebenen Kosten mit der Realität wenig, mit Traumtänzerei und Wunschdenken allzu viel zu tun hatten. Das war leicht zu erkennen. Die BI Pro Unibad hat umgehend darauf hingewiesen und eine Gegenrechnung vorgestellt, die aber von Frau Stahmann ignoriert wurde. Mindestens 12 Mio. € wurden verplempert. Mindestens um diese Summe wird der überflüssige Schwimmhallenneubau teurer als die seinerzeit ohne weiteres mögliche Sanierung von Unibad und Horner Freibad zusammen. Er bietet zudem nicht annähernd das, was mit dem Sportbad und dem Familienbad verloren ging, aber als Nebenprodukt noch zusätzliche Bodenversiegelung.“ Der Leserbrief wurde am 17. August im Weser-Kurier zusammen mit zwei anderen kritischen Leserbriefen veröffentlicht: Stefan Hagens fragt, ob die Sportsenatorin wirklich echtes Interesse am Schwimmsport hat, wenn sie die „wirklich laute Kritik“ nicht hört. Nina und Bernd Runge schreiben: „Leider wird auch das Hallenbad Horn weder dem Ausbildungsbereich noch dem Leistungssport gerecht werden. Haben nicht die Vereine mehr Unterstützung der Senatorin für Soziales und Sport verdient?